Phantastische Erfolge unserer Mädels bei den Deutschen Jugend-Meisterschaften in Jena

Hildesheim (1.8.2015). Als sich in der vorletzten Runde des 1500m Hinderlaufes eine Lücke auftat, paarte Lisa Vogelgesang Mut mit Selbstbewusstsein. Sie  übernahm das Kommando, überwand auch auf den verbleibenden 800 Metern Wassergraben und Balken fehlerlos und vergrößerte ihren Vorsprung bis ins Ziel hinein. Mit dieser Bravourleistung wurde Lisa bei den dreitägigen Titelkämpfen der Leichtathletik-Jugend in Jena deutsche U 18-Meisterin. (Anmerkung: Die intensiven Vorarbeiten mit unseren neuen Hindernisbalken und dem Füllen des Wassergrabens auf der Eintracht-Anlage haben sich also gelohnt.) „Ich bin nach Jena gefahren, um Bestzeit zu laufen“, sagte die 16-Jährige im Ziel. „Mit dem Titel hatte ich bei der starken Konkurrenz nicht gerechnet, weil es ja erst mein drittes Hindernisrennen überhaupt war.“ Zur Erinnerung: In Jena ging Lisa als Hindernis-Meisterin des Landes Niedersachsen und der norddeutschen Landesverbände an den Start. Bundestrainer Enrico Asmus aus Erfurt nahm Lisa nach ihrem „spektakulären“ Erfolg (leichtathletik.de) spontan in den C-Kader des Deutschen Leichtathletik-Verbandes auf.

Mit ihrer Siegerzeit von 4:49,08 Minuten blieb die Hildesheimerin im Ernst-Abbe-Stadion weit unter der magischen Fünfminutengrenze, die auch von der Zweitplatzierten, der deutschen Crosslaufmeisterin Lisa Tertsch vom ASC Darmstadt, und der Dritten, der Favoritin und Jahresbesten Anna Kristin Fischer (SC DHfK Leipzig), noch unterboten wurde. „Hindernisse sind cool. Ich wollte einfach mal etwas Neues ausprobieren“, sagte die neue deutsche Meisterin. Lisa hatte bekanntlich  in Jena die Qual der Wahl, in welcher Disziplin sie antreten sollte, da sie zuvor auch die Qualifikationszeit über 3000 Meter gelaufen war. Die Journalisten in Jena staunten nicht schlecht, als sie berichtete, dass sie im Winter wegen ihrer Kniebeschwerden zehn Wochen nicht hatte laufen können und dafür Aquajogging und reines Ausdauertraining im Wasser absolvieren musste.

Unser Lauftrainer Heiko Wilcke lobte die professionelle Einstellung seiner Athletinnen in der Vorbereitungszeit und bei den Titelkämpfen selbst. Neben Lisa  starteten in Jena auch unsere mehrfache 800-m-Landesmeisterin Florentine Unbehaun über 1500m, Sarah Heidner (wie Lisa über 1500m Hindernis) und Hanna-Marie Studzinski (400m). „Alle haben zum Beispiel sehr diszipliniert auf ihre Ernährung und genügend Schlaf geachtet“, sagte Heiko. So habe Lisa sechs Wochen vor den Meisterschaften keine Süßigkeiten mehr angefasst. „Sogar ein Eis, das ihre Lehrerin zu Beginn der Sommerferien ausgegeben hat, schlug sie aus.“

Mit einem mutigen Lauf, der ihr den vierten Rang im Zwölferfeld einbrachte, überzeugte Florentine im Finale über 1500 Meter. In neuer Bestzeit von 4:42,08 Minuten war sie als Viertplatzierte wie schon in Nürnberg mit unserer 3x800-m-Staffel erneut ganz nah dran an einer Edelmedaille. Sie kämpfte wie gewohnt, kam aber dann an das Führungstrio Patricia de Graat (LG Olympia Dortmund/4:36,23), Luise Thate (Leipzig) und Lisa Oed (SSC Hanau) nicht mehr ganz heran. „Aber nach einer Viertelstunde waren Enttäuschung und Ärger verflogen“, sagte ihr Trainer. Florentine hatte mit der zehntschnellsten Vorlaufzeit sehr ökonomisch das Finale erreicht und sich damit einige Körner für den Endlauf aufgehoben.

Vollauf zufrieden mit ihrer Leistung war Sarah Heidner, die überhaupt erst wenige Tage vor den Meisterschaften die Qualifikationszeit für eine Teilnahme am 1500m Hindernisrennen geschafft hatte. Sie wurde Siebte im 13er-Feld der schnellsten deutschen Hindernisläuferinnen und verbesserte sich auf 5:11,64 Minuten. Unsere vierte DJM-Athletin, Hanna-Marie Studzinski, musste schon am frühen Vormittag auf die Laufbahn zu ihrem 400-m-Vorlauf der U 20. Auch sie, die nur schwer in die Saison gekommen war,  lief couragiert. Mit ihrer Zeit von 59,17 Sekunden verfehlte sie allerdings das Finale.

Für Statistiker: Lisa holte in Jena nach Stefan Vogel (Eintracht Hildesheim) und Thomas Nipp (VfV Hildesheim) den dritten Meistertitel im Leichtathletik-Jugendbereich nach Hildesheim. Stefan gewann vor 30 Jahren das 60-m-Finale in der Halle (Karlsruhe), Nipp wurde 1987 in Bad Harzburg deutscher Crosslaufmeister auf der Mittelstrecke.                        wgk